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Antjes Logbuch

Am 6. April schenkte mir meine Freundin Doreen ein Oktavenheft, in dem ich meine Eindrücke festhalten sollte, die ich auf meiner Reise nach Tanzania sammeln würde. Und ganz brav habe ich fast jeden Abend dieses Heft geführt:



flug10.04.2007 · Flug von Hamburg nach Amsterdam.
Bei der Zollkontrolle wurde unser Übergepäck von 4 kg nicht beanstandet – nur die Akku-Bohrmaschine musste vom Akkumulator getrennt werden, und die Schleifscheiben für den Winkelschleifer wurden noch mal ganz genau angeschaut. Da ich mit Bergsteigerstiefeln an den Füßen reiste, die mit Stahlsohlen bestückt sind, alarmiert natürlich das Sicherheitssystem. Also: Schuhe aus.

Der Flug von Hamburg nach Amsterdam dauerte nur eine knappe Stunde, und da wir gleich mit Nüssen und Getränken versorgt wurden, verging die Zeit wie im Flug ;-)

2 Stunden Aufenthalt in Amsterdam. Der Flug ging über die italienischen Alpen und die Hacke Italiens, quer über die Sahara nach Tanzania. Die KLM-Fluggesellschaft hielt uns ständig in Arbeit: Trinken, Reinigungstuch, Mittagessen, Trinken, Eiscreme, Trinken, Erfrischungstuch, Abendessen, Trinken... Um kurz vor 20:00 Uhr sind wir auf dem Kilimanscharo-Airport angekommen. Hallo Afrika! Afrika riecht würziger, als ich es mir erträumt hatte. Beim Visum (50 $ per Person) und bei der Gepäckausgabe ging es zügig. Wo ist da denn die beschriebene «pole-pole»-Mentalität?

Es hat keiner auf uns gewartet... Mutter wurde leicht nervös, da uns ständig jemand nach Taxi fragt. Dann tröstete sie sich aber mit «Wenn die ihre Bohrmaschine haben wollen, werden sie diese sicher auch abholen.» Also bin ich noch mal rein und schaue, ob dort irgend jemand auf uns wartet (ich hatte noch kein Hotel fest gebucht). Dann sah ich meinen Vater und seine zwei Mitbewohner auf mich zu kommen. Na, das klappt doch alles gut!

Mein erstes Tier in Afrika ist erstaunlicherweise eine Fledermaus. Das hatte ich mir nicht so vorgestellt.

Mit dem Jeep geht es Richtung Arusha. Was für eine Fahrt! Alles nur schemenhaft und dann dieser Duft. Ich bin da!

Wir werden zum Boarding (Internat) nach Kwa Ngulelo gefahren und dort wird uns mitgeteilt, dass wir «unten» im anderen Gebäude untergebracht sind... Also nochmals über fantastische Schlaglöcher-Pisten zum Quartier. Dort angekommen werden wir von Steffi begrüßt, mit der ich mir einige mal Mails geschrieben habe. Steffi ist das organisierte Management von «Sister Angelika». Sie ist zurzeit dort, da sie Jutta vertritt, die wir aus Erzählungen kennen und die gerade in Deutschland ist. Wir bekommen ein Hochbett im ersten Stock zugewiesen, packen das Moskitonetz in Position und schlafen die erste Nacht in Afrika. Regen und Wind in der Nacht. Klar: es ist Regenzeit in Afrika.



blaues haus
11.04.2007 · Morgens treffen wir uns mit Steffi, Hans, Gitte und Papa zum Frühstück im Parterre. Nach dem Frühstück geht’s nach Arusha.
Gleich am Anfang von Arusha steht ein riesiges blau-glänzendes Gebäude. Da während des Baus festgestellt wurde, dass der Untergrund doch etwas weich ist, wurde noch schnell zur Stabilisierung ein Gebäude vor der Gebäudensäule als Stütze errichtet.
Wir teilten uns dann in Männer und Frauen auf. Die Männer wollen noch etwas zum Verbauen besorgen, während wir Frauen auf Postkartenkauf gehen.

Da ich auf dieser Reise den indischen Ozean sehen möchte, beschließen wir Frauen auf dem Busbahnhof nach einem Bus Richtung Tanga Ausschau zu halten. Als wir dort ankommen, werden wir sofort umringt (wir sind halt schnell als Tourist auszumachen). Ein Guide führt uns Bibis (Bibi ist Swahili für «ältere Frau») zu verschiedenen Anbietern. Wir lassen uns von drei Anbietern die Abfahrtzeiten und den Preis notieren. Ein bisschen Euros in Tansanische Schillinge gewechselt (10.000 Tshs sind zwischen 6 und 7 €).

pizza
Anschließend trafen wir uns wieder mit den Männern zum Pizza-Essen. Hans, Gitte und Papa schlafen in Tengeru. Dort bauen die Männer schon seit 6 Wochen an dem Haus von Ndeshi und Angelika.
Tengeru liegt circa 6 km ausserhalb Arusha’s. Ebenfalls durch Bananenstauden und Buckelpisten geht’s nach Tengeru.
Die Ortsschilder tragen meist Coca-Cola-Reklame und darunter steht dann der Ortsname. Sieht schön aus.

Die Männer scheinen stets in Arbeit zu sein und drohen manchmal an den Materialien Afrikas zu scheitern... Hier kann man fast alles nach einer bestimmten Wartezeit erhalten, nur das Material ist die dünnere Variante von dem, was wir in Deutschland gewohnt sind...

Wir Frauen sind dann mit Josephine und Gitta auf einen Markt gegangen (Josephine hat nun 9 Monate Afrika gehabt und wird jetzt, vor Ihrer Rückreise nach Glückstadt, drei Wochen mit Ihrer Freundin Gitta Urlaub auf Sansibar etc. machen). Was für Eindrücke, Farben, Gerüche hier auf dem Markt...

daladala
Mit dem Dala Dala sind wir dann zurück nach Kwa Ngulelo gefahren (das sind Kleinbusse, die bis zum Brechen mit Fahrgästen bestückt werden, die größte Menge habe ich selbst mit 23 Personen erlebt).
Josephine hat uns dann in den Schlaf gesungen (sie hat ein Chorlied mit 4 Stimmen aufgenommen; in Malambo hat Sie die Chor-Arbeit als Tätigkeit gehabt und gibt dem Chor dann diese Aufnahme, damit diese hiermit weiter proben können).



12.04.2007 · Am nächsten Tag sind wir Frauen dann mit Doudi, unserem Fahrer, nach Malambo aufgebrochen. Auf dem Weg dorthin fahren wir in den Norongoror Nationalpark und sehen dort viele Tiere (ich habe das Gefühl, bis auf Krokodile, Schlangen und Löwen jedes Tier Afrikas gesehen zu haben). 
Josephine und Gitta haben dann die letzten 60 km auf dem Jeep gesessen und die Steppe genossen. Ich beneide die beiden, und darf dann auch die letzten 20 km auf dem Dach des Jeeps «reiten». Whow!

ziege
Ein Haus vor Malambo haben wir dann Angelika getroffen. Sie begrüßte uns mit dem Massai-Schrei und herzlichen Worten. Man was ist das für ein Powerweib! 
In Malambo angekommen lachten mich erst einmal alle aus, da ich schwarz vor Staub war, da ich ganz hinten auf dem Jeep gesessen hatte. Also schnell mal drübergewaschen. Dann gab es Abendessen mit einer ganzen Reihe von Menschen, die dort zu Besuch sind. Auch die Praktikantin, die Nachfolgerin von Josephine, war mit Ihren Eltern da. Die Eltern erhielten als Dank eine Ziege, die dann auch gleich getötet und zubereitet wurde. Da gerade Osterferien sind, werden wir in den Unterkünften der Lehrkräfte untergebracht. 



13.04.2007 · Beim Frühstück sehe ich jetzt alle Leute klar und deutlich, und ich fühle mich wohl in diese WG-Mentalität. Vor jeder Mahlzeit wird gebetet und ab und an zur Gitarre gegriffen und gesungen. Nach dem Frühstück gehen wir zu fünft (Christa, Gitte, Gitta, Josephine und ich) in den Ort (Malambo). Josephine wird heute um 17:00 Uhr ihren Abschied feiern und möchte noch einige Personen aus dem Ort einladen. Es ist ein Glück für Christa und mich, dass wir Josephine kennen lernen durften – eine super begabte Frau, die Ki Swahili und Ki Massai spricht. Sie kann sich supertoll mit den Menschen unterhalten und wirkt dabei völlig bodenständig und lieb. Eine Bereicherung nicht nur für Angelika!
Als erstes steuern wir die Kirche des Ortes an und finden dort Pastor Daniel vor. Er lädt uns ein, ihn zu besuchen. Also: Erst einmal zu ihm. Dort wird uns Chai angeboten (Tee mit Milch – gesüßt). Er bedankt sich bei Josephine und schenkt ihr eine Kappe, einen Gürtel und eine Kette (Gitta, die Freundin von Josephine erhält ebenfalls eine Kette). Für Josephines Vater gibt es eine Art Zepter, mit Perlen bestickt, und für ihre Mutter einen typischen Schmuck-Behang der Massai-Frauen. Wir erhalten ebenfalls eine kleine Aufmerksamkeit. Uns ist es schon unangenehm, dass wir hier so lieb beschenkt werden.
Ich finde noch einige Leckereien in meiner Tasche, und lege diese bei ihm auf den Tisch. Er freut sich und gönnt sich gleich ein Stück Schokolade.
Nachdem Josephine ihre Einladung ausgesprochen hat, gehen wir weiter. Wir besuchen Mama Millie mit deren Sohn Isaak. Mama Millie hat zu ihren eigenen Kindern auch etliche Pflegekinder. Es ist schön, dass solche Möglichkeiten bestehen, dass Kinder in einer hiesigen Familie aufwachsen und nicht, wie es hier zurzeit leider modern ist, die Kinder in Boardings unterzubringen. Bei Mama Millie erhalten wir Coke und ziehen dann anschließend weiter zu Good Luck. Seine Frau und er haben eine kleine Tochter, die «Milka» heißt. Und Josephine hat ihr zwei Tafeln Milka-Schokolade mitgebracht. Wieder erhalten wir einen Chai und dürfen das schönste Paar auf unserer Reise kennen lernen. Good Luck ist Chormitglied und spielt dort auch Gitarre. Sie kommen auch am Abend.
Dann geht’s weiter zu «Papa Engineer». Papa Engineer fährt ein Herrenfahrrad, dessen Aufmachung mit Hupe und Katzenaugen drei Monatsgehälter verschlungen haben soll... Er ist vor vier Tagen Papa einer Tochter geworden. Sie soll wohl Josephine heißen... Als Dank an Josephine. Gestern war noch unklar, wie sie heißen solle. Es standen zwei Namen zur Debatte: Josephine und Saskia. Momentan scheint es der Name Josephine zu werden... Die Frau von Papa Engineer schwitzt völlig und läßt uns ausrichten, dass das kurz nach der Geburt angefangen hat. Ich erzähle, dass ich eine Kollegin habe, die immer kalte Füsse an ihrem Arbeitsplatz hat, und als ihr auf einmal auffiel, dass sie keine mehr hatte, stellte sich auch heraus, dass sie schwanger ist... Das scheint also normal zu sein und hört auch wieder auf...

wheelshoes
Im Massai-Store haben wir dann eingekauft. Dort kann man fast alles bekommen. Ich kaufe zwei verschiedene Stoffe aus denen ich mir Kleidungsstücke nähen lassen möchte und «Wheel-Sandalen». Das sind Sandalen aus ausrangierten Autoreifen. Die Massai tragen diese. Mir werden diese nach Maß angepasst.
Am Nachmittag sind wir dann zu einer Boma rausgelaufen. Loserian ist Wächter der Gebäude von Angelikas Projekt in Malambo und zeigt uns sein Haus und seine Familie. Er hat Josephine in die Familie als Tochter integriert und hält eine wunderschöne Rede für Josephine. Die Frau von Loserian näht Josephine ein schönes Armband aus Perlen um das Handgelenk. Gitta, die Freundin von Josephine, erhält ebenfalls eine Aufmerksamkeit. Ebenso Gitte, da sie dort 6 Wochen in Malambo zur Unterrichtung war. Ich war froh, dass wir nicht auch noch was bekamen, da es mir schon mit der Aufmerksamkeit bei Pastor Daniel gereicht hatte. Etwas zu bekommen, ohne irgendwas dafür getan zu haben, dass ist mir peinlich.

Josephine hält eine Dankesrede an Loserian und Familie und trägt dabei einen Schraubschlüssel in Händen. Sie berichtet, dass das symbolisch sei, und der dazugehörige Pflug zu schwer ist. Dieser würde noch am Haus stehen, und Loserian dürfe sich diesen dann als Geschenk nehmen.
Nun war es schon halb sechs und die Abschiedsfeier sollte doch um 17:00 Uhr «deutscher Zeit» (wir sagten immer deutsche Zeit, wenn es wirklich diese Uhrzeit sein sollte) und nicht so in etwa... Als wir dann an den Häusern eintrafen, kamen bereits die ersten Gäste. Es wurde ein schöner Abend mit Gesang und Reden und Stockbrot und und und. Um halb zehn haben wir die Jugend dann allein weiter feiern lassen und sind zu Bett gegangen.

Am nächsten Tag ging's um halb sieben los in Richtung Arusha. Diesmal ist Angelika gefahren und sogar eine andere Route, am Riff Valley vorbei. Vor der Abfahrt wurde noch für unsere Fahrt gebetet. Die Praktikanten erzählten, dass bei der Anfahrt von Angelika nachts das Autolicht ausfiel, und damit sie nicht im Dunkeln im Busch bleiben mussten, wurde kurzerhand ein Praktikant mit Lampe auf die Motorhaube gesetzt. Wer hier nicht erfinderisch und geistreich ist, der kann hier nichts bewegen. Zum ersten Mal habe ich ganz bewusst gedacht: «Gott sei Dank, dass Angelika so ein Knowhow hat».

Ich habe nie Angst verspürt und habe mich immer sicher gefühlt. Färbt da etwa ein wenig von der Gläubigkeit der Menschen auf mich ab...?



14.04.2007 · Für Josephine soll es jetzt die Abschiedsfahrt werden, aber ich vermute, dass sie häufiger wiederkehren wird. So eine Superkraft wird hier gern gesehen und gebraucht. Wir fahren jetzt mit Saskia (die Nachfolgerin von Josephine), deren Eltern, Simeon (der als Praktikant hier zwei Monate war und sogar mit den Massai über einen Berg am RiffValley in fünf Tagen gewandert ist – Hut ab!), Gitte, Josephine, Gitta, Christa und Angelika zurück. Zwischendurch machen wir immer mal wieder STOP um zu essen, zu trinken oder zu baden: Angelika führt uns zu einem Wasserfall. Wir laufen eine Stunde dort hin und es ist WUNDERschön! 

wasser
Wenn der Jeep durch die Steppe braust, kommen häufig kleine Kinder angelaufen, die um Wasser bitten. Angelika hat hinten im Jeep immer einen Kanister mit frischem Wasser stehen, der für diese Eventualitäten da ist. Die Kinder sind als Hirten mit einer Herde Ziegen oder Kühen den ganzen Tag in der Steppe unterwegs und sind froh, etwas Wasser zu bekommen.

Angelika gibt mir das Gefühl, dass alles was sie macht selbstverständlich ist. Aber es ist alles für sie doch mit Arbeit verbunden und trotzdem macht sie – tut sie – regelt sie. Wunderbare Powerfrau. DANKE Angelika!

Es wird einfach nie uninteressant oder langweilig. Immer ist etwas zu sehen, zu hören und zu riechen. Wir nehmen unterwegs für eine längere Strecke zwei Massai-Frauen mit. Ich kann es nicht genau festmachen, wonach sie riechen... aber es ist ein Mix aus Erde, säuerlicher Milch, Urin und ... ach ich weiß nicht. Aber sie riechen für unsere europäischen Nasen streng. Vielleicht riechen wir blassen Leute ja süßlich... eben anders streng. Aber wie auch immer, irgendwie mag ich hier die Gerüche...

Als wir in kwa ngolele angekommen sind nehmen Christa und ich unsere Taschen und ziehen die nächsten Nächte ins Boarding. Simeon räumt für seine letzte Nacht sein Zimmer für uns und zieht in den Container. Das stark nach Staub riechende Moskitonetz gebe ich am nächsten Tag in die Wäsche und packe mein Netz aus. Ansonsten sind die Unterkünfte immer besser, als ich gehofft habe. Morgen ist Sonntag. 



15.04.2007 · Wir sind zu einem Gottesdienst nach Arusha gefahren. Hauptsächlich sind es wohl Engländer bzw. Amerikaner, die hier wohnen. Es wird viel gesungen. Nebenher können die Anwesenden sich Getränke und andere Kleinigkeiten holen. Für mich als Nicht-Kirchengänger ist es schon sehr gewichtig. Aber dass muss man mal erlebt haben. Anschließend wurden wir am Massaimarkt rausgesetzt. Dort habe ich meinen ersten und einzigen Leberwurstbaum gesehen. Und ich habe verhandelt: Einen Brieföffner mit Verhandlungen erstanden. Das fällt mir echt schwer, dass ich hier nie einverstanden sein soll mit dem erstgenannten Preis, sondern verhandeln und runtergehen muss... Die Verhandlungstaktik ist schon urig. Du fragst nach dem Preis. Der wird dir genannt. Dann grummelst du vor dich her und wenn du es aber doch haben möchtest nennst du einen Preis unter dem, den du letztendlich bereit bist zu zahlen. Daraufhin wird dein Gegenüber seinen Preis nennen und so kommt ihr euch dann entgegen... Oder du sagst einfach nichts – erwiderst keine Preisvorstellung – dann ist aus dem Verkauf nichts geworden und jeder geht seines Weges.

mordenbutcherMit einem Dalla Dalla sind wir dann zu „Ebenerzinger Morden Butcher“ gefahren. («Morden» sollte eigentlich «modern» heißen, aber die Buchstaben wurden ein bisschen vertauscht, und da hier die Plakate alle noch frei und per Hand gemalt werden, ist es also «morden» geworden – finde ich auch viel passender)

Am Abend sind wir dann zum Kaminfest nach Tengeru gefahren. Der von Hans gemauerte Kamin funktioniert, und die Männer sind zufrieden. Angelika setzt sich mit ihren Mädchen zur Besprechung auf die Terrasse. Wir schauen uns noch etwas um. Papa hatte die großen Trinkflaschen aus Plastik umfunktioniert in Plastikbecher für Rotwein und es gab leckere Kekse. 



16.04.2007 · Am nächsten Tag nach einem gemeinsamen Frühstück sind wir nach Arusha rein. Steffi und Angelika regeln da in Null Komma Nichts Tausende von Sachen. Steffi ist wirklich so ein rollendes Organisationstalent. Zeitweise liegen vorne in der Ablage drei Handys, die alle häufiger mal klingeln. Und wenn sich Steffi dann zwischenzeitlich an die Stirn fasst und sagt „oh, ja...“ dann ist ihr wieder etwas eingefallen, dass sie erledigen kann. Ich habe von mir ja schon gedacht, dass ich viel auf einer Strecke erledigt bekomme, aber bei Angelika und Steffi ist es die Krönung. Angelika hat mir dann ein Tuchgeschäft nach dem anderen gezeigt, und nachdem ich Stoffe (Kitenge, afrikanischer Baumwollstoff) gekauft habe, mich zu Ihrem Schneider gefahren. Er hat Maß genommen und gesagt, dass ich die fertigen Sachen am Samstag abholen kann...

Wir haben dann unterwegs eine Mango gekauft und Steffi gab uns die Informationen, die wir für unsere Fahrt nach Tanga brauchen würden. Angelika rief in Peponi an und hat in Ihrem Namen eine Unterkunft für uns drei bis zum Freitag gebucht.



17.04.2007 · Am nächsten Tag geht’s los. Dora (die Haushaltschefin vom Boarding) hatte gestern für uns drei Busfahrkarten besorgt, wieder so, als wäre es selbstverständlich, uns alles so einfach wie möglich zu machen. DANKE Dora! Es geht los Richtung Arusha mit dem Jeep und von Arusha mit dem Kizota-Bus nach Tanga. 10:00 Uhr Abfahrt. Um 18:00 Uhr sind wir in Tanga. Sogleich wird der Bus umzingelt von Taxifahrern. Wir fahren dann mit einem Taxi und zwei Taxifahrern nach Peponi raus. Für 20 km sind es tatsächlich 1 Stunde 15 Minuten. Zeitweise habe ich echt gedacht «nun wirst du entführt».

Endlich sind wir da. Wir bestellen unser Essen und von Dennys (Chef von Peponi) erhalten wir einen Schlüssel für das Haus. Ich muss erst einmal ein Bier trinken. Die Frauen gehen schon mal vor. Am Tresen unterhalte ich mich mit der Tresenkraft (Benny). Danach mache ich mich auf dem Weg. Die erste warme Dusche in Afrika. Was für ein Luxus. Anschließend leckeren Fisch gegessen und ab zu Bett. Morgens um 6 Uhr war ich wach und bin raus gegangen. Whow. Der indische Ozean direkt vor der Tür. Ich habe dann die 1 Stunde am Wasser gestanden und genossen. Bin aber etwas überrascht, dass hier der Meeresboden auch eine leichtgraue Wattfarbe hat – ähnlich wie unser Watt in der Nordsee.

Nach dem Frühstück habe ich dann meine Taucherbrille, Schnorchel und Flossen besorgt und wir sind alle mit der Dhow raus zum Schnorcheln. Die Frauen wollten nicht. Ich bin 1 Stunde lang geschnorchelt. Einer der Besatzung von der Dhow hat mir dann die besten Regionen mit Fischen und Seesternen gezeigt. Leider sind zwei Norweger in Seeigel getreten, so dass wir eher umgedreht sind (die Besatzung hat zwar gesagt, die wären nicht giftig und gefährlich, aber die Patienten bangten trotzdem). Nachmittag sind wir dann am Strand gelaufen und auf der Straße Richtung Pangani. Aber nachdem dann arabische Schriftzüge auftauchten und ich keine bedeckten Schultern hatte, sind wir umgedreht. Morgen geht es mit dem Dalla Dalla nach Pangani. Dieser Dalla Dalla heißt Octopus. Hier haben diese Fahrzeuge alle möglichen Namen. Tracy Chapman und Lopez habe ich schon gesehen und und und ...



18.04.2007 · In Pagani haben wir den Fluss besucht und ich habe für Anja Strandsand (meine Schwägerin sammelt von allen Ländern der Welt Sand) mitgenommen. Bine (Hollis Schwester) hat heute Geburtstag. Ich rufe sie an und bekomme sofort Kontakt. Das ist Afrika. Das Handy hat überall Kontakt. Genial. Auch Massai-Krieger sieht man hier in schönen Tüchern und einer Handytasche (zu Hause muss ich dann feststellen, dass das Telefonieren nicht sehr günstig ist). In Pagani ist nicht sehr viel los. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es hier in der Hauptsaison ist. Die Fischer sitzen an Ihren Booten und transportieren Kokosnüsse...

Nachmittags um halb vier sind wir wieder in Peponis Camp. Heute ist die letzte Nacht dort. Es ist einfach wunderbar hier. Es ist wirklich schön angelegt und irgendwie familiär. Abends gibt es wieder Fisch. Ganz lecker.



20.04.2007 · Wir fahren um 10:30 Uhr nach Tanger. Zwar wird gesagt, dass der Bus um 11 kommt, und als wir oben an der Straße stehen, wird uns gesagt, dass der Bus erst um 12 Uhr kommt, aber da sehen wir schon den Dalla Dalla von Gestern. Octopus. Also einsteigen und nach 1 Stunde sind wir in Tanger. Dort ist jeder bemüht uns zu helfen. Es ist sehr verwirrend, diese Höflichkeit. Ich als misstrauische Mitteleuropäerin vermute überall schnell Geldschneiderei oder Betrug. Da muss ich erst einmal aus mir heraus gehen... Nachdem ich endlich mal mit meiner VISA-Karte Geld abgehoben habe, lernen wir Idd kennen. Er ist die TouristInfo und bietet sich an, uns ein Hotel zu suchen. Das Malindi wird unser Hotel für eine Nacht. Wir werden da per Taxi hingebracht. Um drei will er vorbei schauen und zeigt uns dann die Cawes. Gitte bestellt uns Essen und wir stärken uns, bevor uns unser Taxi wieder abholt. Die Cawes sind schön. Und schön voll mit Fledermäusen. Es raschelt und quieckt an jeder Decke. Idd lädt uns ein gegen eine geringe Gebühr abends Life-Musik mitzuerleben. Aber die Bibis lehnen ab und alleine möchte ich nicht. Morgen holt er uns mit Taxi ab und bringt uns zum Busbahnhof.



21.04.2007 · Heute geht’s nach Kwa Ngulelo zurück. Morgens um 6 nehme ich Abschied vom Indischen Ozean. Die Reise hat sich gelohnt. Abends um 17 Uhr sind wir an der Straße in Tengeru. Dort holen uns Ndeshi und Marge (Christa’s Patentochter) ab und bringen uns zum Haus. Die Mädchen haben Reis und Fisch gekocht. Mir schmeckt es sehr gut (und das sage  i c h, die nie gern Reis gegessen hat ☺). Papa hat einen großen Tisch gebastelt und so sitzen wir schön zum Essen zusammen. Christa und ich werden dann mit dem Jeep ins Boarding gebracht. Vorher gehen wir noch schnell ein Bier trinken. Dora erwartet uns und macht auf unser Klingeln hin auf. (Hier sind fast alle Häuser eingezäunt und nachts patrolieren hier Wachen)



22.04.2007 · Am nächsten Tag löse ich mein Versprechen ein und zeige Lucy ein paar Line-Dance Schritte. Lucy kommt aus Kenia. Lucy ist plietsch und hat es völlig schnell drauf. Sie bewegt sich echt super. Am Ende hat sie drei Tänze gelernt. Ich schicke ihr die Stepsheets sobald ich wieder in Deutschland bin.



23.04.2007 · Heute ist Montag. Gleich fährt Dora mit Steffi, Gitte, Christa und mir nach Arusha. Ich möchte gerne meine genähten Sachen abholen. Echt toll, wie diese zierliche Dora diesen Riesenjeep durch die Gegend fährt. Meine Klamotten abgeholt. Sogar Ingwer-Kekse gekauft... irgendwie schaffen die es immer, alles Mögliche zu regeln in kürzester Zeit. Im Boarding probiere ich die Kleider, den Rock und das T-Shirt an. Alles passt supergut. Das eine Kleid werde ich gleich heute abend anziehen, da Gitte ihren Geburtstag in der Stadt bei Kahns BBQ-Grill feiert. Am Abend fahren wir dann alle zum Grill. Tagsüber ist es eine Autowerkstatt und abends wird es zum Grill. Genial. Nicht nur Gitte, das Geburtstagskind, wird beschenkt. Nein! Marge hat für Hans, Papa, Gitte, Christa und mich jeweils ein Tanzania-T-Shirt! Womit haben wir das verdient...



24.04.2007 · Es ist Dienstag. Unser letzter Tag in Afrika. Leider. Wenn ich zwanzig Jahre jünger und Single wäre, würde ich versuchen länger zu bleiben aber im 42. Lebensjahr mit einem Mann und drei Katzen ist meine Zukunft in Deutschland.

Den letzten Tag in Afrika verbringe ich mit einer Einkaufsfahrt nach Arusha. Die letzten Postkarten noch schnell eingesteckt. Der Tag vergeht viel zu schnell. Dann ruft Steffi noch Angelika an und erfährt, dass Angelika bei einem Busstop in Arusha abgeholt werden kann. Angelikas Aufenthalt in Kenia hat sich gelohnt. Ihr wurden Amalganreste aus dem Kiefer operiert. Zum Glück stellte sich die Lymphknotenvergrößerung nicht als böse Krankheit heraus, sondern sind wohl auf die Endzündung der Kieferregion zurückzuführen. Dann haben unsere Gebete gewirkt und sie kann weiter (gesund) hier tätig sein. Vielleicht ist es ja für Angelika ein Zeichen, eine Kraft anzulernen, die ihr die Arbeit abnehmen kann, wenn es Ihr mal nicht so gut geht oder sie mal ausspannen muss. Ein Zeichen für Angelika, irgendwann mal zu delegieren (Das wird nicht einfach).

Dora stieß auf unseren Wunsch hin den Massai-Schrei aus und Angelika antwortete. So konnten wir genau hören, wo Angelika ist. Allgemeine Freude.  

Zusammen sind wir dann ins Boarding gefahren. Katy (die einzige Waise im Boarding, alle anderen Mitbewohner haben Eltern) schlief bei Christa stehend ein. So aufregend war ihr Tag. Um halb vier sind wir dann mit Angelika noch mal nach Tengeru gefahren. Dort hat sie dann das Haus abgenommen. Ich vermute, wenn die Männer halb so viel geschafft hätten, wäre sie auch zufrieden gewesen. Sie verlangt viel von sich aber nimmt das hin, was die Leute bereit sind zu geben. Eben Angelika.

Dann sind wir mit beiden Jeeps ins Boarding und von da aus mit einem Jeep zum Flughafen. Ich habe für Steffi noch ein paar Briefe mit, die ich in Deutschland bei der Post abgebe (leider wird mir in Holland ein Brief von Steffi geöffnet und ein Brieföffner als terroristisch-anmutende Waffe weggenommen). Ich Tüffel hätte ja auch die Briefe in mein aufgegebenes Gepäck packen können. Na – ist jetzt eh zu spät. Sorry, Steffi.

Aber: «Afrika ist eine Reise wert!», 
und: «Afrika, ich komme wieder!» 

 


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Daddy Harke |  07.08.2007, 17:50:13 |  91.35.118.39 = p5B237627.dip0.t-ipconnect.de
Ich bin jetzt auch im Internet!!! Erster Besuch auf deinen Seiten!Gruss, Daddy Harke 

Doreen |  02.05.2007, 23:22:14 |  89.246.10.145 = i59F60A91.versanet.de
Hallo Liebe,schön das du wieder da bist. Habe mir die Bilder noch einmal angeschaut, Sie sind wirklich toll. Die Karte ist heute angekommen. Danke! 

Antje |  25.04.2007, 14:56:33 |  89.53.29.112 = 89.53.29.112
Juhu, ich bin wieder da! 



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